Themenbereiche Natur & Landschaft

Neue Arten in der Stadt

Von Stefan Klotz – 06/2015

Städte sind gekennzeichnet durch eine große Anzahl fremdländischer Arten, die bewusst für Landschaftsgestaltung, Gartenbau, Forst- oder Landwirtschaft eingeführt wurden oder unbewusst als Transportbegleiter (Anhaftungen an Fahrzeugen, in Verpackungsmaterial und in anderen Transportgütern) in die Städte gekommen sind. Von den bewusst eingebrachten Arten bleibt ein großer Teil von der Pflege durch den Menschen abhängig und kann sich nicht selbstständig vermehren. Ein kleiner Teil von ihnen schafft es aber, sich spontan auszubreiten und ohne direkte Hilfe des Menschen langfristig zu überleben.

In Städten findet man drei Gruppen von Arten: Erstens, die einheimischen Arten, die bereits vor der Gründung der Städte in diesen Räumen vorkamen. Zweitens, die vom Menschen bewusst eingeführten Arten, die von seiner Pflege weiter abhängig sind (Haustiere oder viele Zier- und Nutzpflanzen). Drittens, die fremdländischen Arten, die ohne weitere Haltung und Pflege durch den Menschen sich vermehren und ausbreiten können (einschließlich der vom Menschen unabsichtlich eingeführten Arten). Letztere Gruppe bezeichnet man auch als Neobiota (Neubürger).

Die Städte sind sehr reich an Nutz- und Zierpflanzen. In Parks, Gärten, Friedhöfen findet man viele angepflanzte Bäume, Sträucher und Stauden aus aller Welt. Das Angebot der Baumschulen und Gartenfachmärkte ist groß. Auch viele Tierarten werden vom Menschen in den Städten gehalten. Neben Säugetierarten wie Hunde und Katzen werden viele Fisch-, Amphibien-, Reptilien- und Vogelarten gepflegt. Selbst Spinnen und Insekten werden gezüchtet.

Die fremdländischen Pflanzenarten, die sich spontan vermehren und ausbreiten können, bezeichnet man als Neophyten oder pflanzliche Neubürger, die sich spontan vermehrenden und ausbreitenden Tierarten als Neozoen.

Drüsiger Götterbaum

Drüsiger Götterbaum (Foto: S. Klotz, UFZ)

Verbreitung des Drüsigen Götterbaums in Leipzig

Verbreitung des Drüsigen Götterbaums in Leipzig (Quelle: Lahr 1983; Gutte et al. 1987; Kartographie: B.Hölzel/R.Schwarz (IfL))

Drüsiges Springkraut

Drüsiges Springkraut (Foto: S. Klotz, UFZ)

Ihre Zahl ist in Leipzig sehr groß. Typische Beispiele sind der Drüsige Götterbaum, der aus den Lößgebieten Chinas stammt und im 18. Jahrhundert nach Europa eingeführt wurde. Da er relativ warme Sommer benötigt, kann er sich nur in den warmen Stadtzentren spontan vermehren und zeichnet mit seinen Vorkommen die Wärmeinsel Stadt sehr gut nach. Weit verbreitet in Leipzig ist auch das Drüsige Springkraut, welches aus dem Himalaya stammt. Es breitet sich insbesondere entlang von Gewässern aus und kann den Uferbereich dominieren. Ursprünglich wurde die Art als Zierpflanze zuerst nach England eingeführt.

Feinstrahl-Berufkraut

Feinstrahl-Berufkraut (Foto: S. Klotz, UFZ)

Schmalblättriges Greiskraut

Schmalblättriges Greiskraut (Foto: S. Klotz, UFZ)

Aus Südafrika stammt das Schmalblättrige Greiskraut. Die Samen dieser Art wurden mit Schafwolle nach Europa eingeführt. Von Leipzig gibt es bereits eine Angabe von 1937, als es auf dem Gelände der Wollkämmerei entdeckt wurde. Explosionsartig hat sich die Art aber erst in den 1990er Jahren ausgebreitet. Sie ist heute im Bahngelände der Stadt und an Straßenrändern fast überall zu finden. Wenn noch im November gelbblühende Pflanzen auf den genannten Standorten auffallen, dann handelt es sich meist um diese Art. Aus Nordamerika stammt das Feinstrahl-Berufkraut. Auf Brachflächen und Wegrändern sowie auf Bahngelände ist diese Art in Leipzig nicht selten zu finden. Nachweise für Leipzig gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Diese Art nimmt heute große Teile Europas ein.

Gewöhnlicher Sommerflieder

Gewöhnlicher Sommerflieder (Foto: S. Klotz, UFZ)

Schling-Flügelknöterich

Schling-Flügelknöterich (Foto: S. Klotz, UFZ)

In der Innenstadt und auf Bahngelände ist der etwas frostempfindliche Gewöhnliche Sommerflieder in Leipzig zu finden. Diese Art stammt aus China und wurde als Zierpflanze nach Europa eingeführt. Durch die Frostempfindlichkeit dieser Art bleibt sie in Leipzig auf das wärmere Stadtgebiet beschränkt. Seine Blüten werden gern von Schmetterlingen besucht, deshalb auch der Name Schmetterlingsstrauch.

Eine weitere ehemalige Zierpflanze, die sich stark spontan ausgebreitet hat, ist der Schling-Flügelknöterich. Die aus Zentralasien stammende Kletterpflanze verwildert besonders stark an Zäunen, Mauern und Gebüschrändern und bildet hier bisweilen dichte Bestände. In und um Leipzig kommt sie auch auf Tagebaugelände vor.

Rotkelchige Nachtkerze

Rotkelchige Nachtkerze (Foto: S. Klotz, UFZ)

Giftbeere

Giftbeere (Foto: S. Klotz, UFZ)

Die Giftbeere stammt aus Südamerika und wird in jüngster Zeit öfter als Zierpflanze kultiviert. Sie breitet sich schrittweise aus. In Leipzig ist diese einjährige Art noch nicht sehr häufig. Sie wird aber von zunehmend wärmeren Sommern profitieren.

Auch die Rotkelchige Nachtkerze ist eine verwilderte Zierpflanze. Die roten Kelchblätter und schönen großen gelben Blüten lassen sie schnell auffallen. In Leipzig ist sie weit verbreitet und wächst sowohl auf Bahn- als auch auf ehemaligen Tagebauflächen des Braunkohlenbergbaus. Sie ist keine Wildpflanze, die aus natürlichen Lebensräumen stammt, sondern sie ist erst durch Kultivierung in Nordamerika oder England entstanden.

Nicht nur Pflanzen aus anderen Kontinenten haben einen neuen Lebensraum im Stadtgebiet von Leipzig gefunden. Auch eine ganze Reihe von Tieren aus anderen Ländern gehört heute zu Fauna der Stadt Leipzig. Neben dem Waschbär ist das Nutria, welches aus Südamerika stammt und aus Pelztierfarmen in Europa entwichen ist bzw. bewusst freigesetzt wurde, eine der häufigsten Säugetierarten in den Leipziger Gewässern und weit darüber hinaus. Auffällig sind die gefärbten Nagezähne. Die Tiere sind meist kaum scheu und lassen sich leicht beobachten. Hauptverbreitungsgebiet in Leipzig ist die Weiße Elster und besonders der Stadtteil Schleußig.

Nutria, auch Sumpfbiber genannt

Nutria, auch Sumpfbiber genannt (Foto: A. Künzelmann, UFZ)

Die Ausbreitung der Türkentaube

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Türkentaube reichte von der Türkei im Westen bis nach Japan im Osten. Seit den 1930er Jahren hat sich die Art nach Mittel-, West-, Ost- und Nordeuropa ausgebreitet. Seit den 1970er Jahren breitet sich die Türkentaube auch in Nordamerika aus. Diese Ausbreitung wurde möglich, weil Städte und andere Siedlungen gute Futterquellen bieten. Die durch den Menschen neu geschaffenen Lebensräume wie große Städte sind die Grundlage für die Etablierung und Fortpflanzung neuer Arten. Die Türkentaube ist ein Beispiel für einen klassischen „Kulturfolger“. Sie ist in der Stadt Leipzig seit den 1940er Jahren präsent. Die Animation zeigt den Prozess der Ausbreitung der Türkentaube.

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Empfohlene Zitierweise

Stefan Klotz: “Neue Arten in der Stadt” in Landschaften in Deutschland Online.
URL: http://landschaften-in-deutschland.de/themen/78_B_152-neue-arten-in-der-stadt/, Stand 29.06.2015

Quellen und weiterführende Literatur

  • Gutte, P., Klotz, S., Lahr, C. & A. Trefflich (1987): Ailanthus altissima (Mill.) Swingle: eine vergleichend pflanzengeographische Studie, in: Folia Geobotanica & Phytotaxonomica, Vol. 22, No. 3. 241-262.

  • Lahr, C. (1983): Die Verbreitung einiger Neophyten in Leipzig unter besonderer Berücksichtigung von Ailanthus altissima (Mill.) Swingle. Dipl.-Arb. Universität Leipzig.

Bildnachweise

  • Titelbild/Vorschaubild: Waschbär (Foto: A. Künzelmann, Umweltforschungszentrum)