Lindenau – ein Leipziger Industrieviertel

Von Heinz Peter Brogiato – 06/2015

Auf dem Rundgang kann man die Entwicklung Lindenaus zu einem der wichtigsten Leipziger Industrieviertel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachvollziehen. Reste des dörflichen Kerns und die dichte gründerzeitliche Überbauung mit Wohnhäusern und Fabrikgebäuden sind für den Stadtteil zentral. Hinzu kommen die jüngsten Entwicklungen der Deindustrialisierung und des Stadtumbaus zu einem postindustriellen Dienstleistungs- und Wohnstandort.

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Einleitung

Die Geschichte Lindenaus ist vergleichbar mit der von Plagwitz. 1527 hatte die Familie von Lindenau ihren Besitz an die Stadt Leipzig veräußert, bis 1839 war der Ort kommunal selbstständig. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieb Lindenau ein bäuerlich geprägtes Dorf, dann setzte eine stürmische Industrialisierung und Verstädterung ein. Die Siedlungsanlage bestand aus einem Doppelsackgassendorf an der heutigen Roßmarktstraße und dem Lindenauer Markt. Später bildete sich ein zweiter Siedlungskern an der Luppenbrücke.

Durch das Wirken des Industriepioniers Karl Heine (1819–1888) entwickelte sich Lindenau seit etwa 1860 äußerst dynamisch zu einem Industrie- und Arbeiterwohnort. Da in der benachbarten nur knapp 1 km² großen Gemarkung Plagwitz schon bald keine Flächenressourcen mehr vorhanden und die Planungen Heines von Anfang an nicht auf Plagwitz beschränkt waren, wurden auch Kleinzschocher und Lindenau von der stürmischen Entwicklung erfasst. Lindenau entwickelt sich mit mehr als 60 000 Einwohnern bis 1910 zum bevölkerungsreichsten Stadtteil Leipzigs.

1891 fanden über 3000 Beschäftigte in 66 Industriebetrieben Arbeit. Die Industrieansiedlungen verteilten sich zunächst auf mehrere Standorte und spiegelten einen breiten Branchenmix. Erwähnenswert sind vor allem die Rauchwarenhändler, die in der Innenstadt ihre Handelsgeschäfte abwickelten und entscheidend zum Reichtum der Stadt beitrugen. Sie siedelten ihre pelzverarbeitenden Betriebe außerhalb der Stadt an. Allerdings trugen die Zurichtereien, Bleichereien und Färbereien zu einer erheblichen Verunreinigung der Kleinen Luppe bei.

In der DDR galt die städtebauliche Priorität für Lindenau vornehmlich dem Ausbau des Industriestandorts, die Abwanderung der Bevölkerung wurde durch den Bau der Großwohnsiedlung Grünau noch forciert. Dies führte zu den bekannten Verfallsprozessen bei der öffentlichen Infrastruktur und beim Altwohnungsbestand. Beim Übergang in die Marktwirtschaft 1990 prägten Altindustrien ohne Wettbewerbsfähigkeit, Umweltprobleme und ein hoher Sanierungsbedarf der gründerzeitlichen Gebäude den Stadtteil. In den vergangenen 25 Jahren wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um den Verfall zu stoppen und Lindenau zu einem attraktiven Lebensraum zu entwickeln.

Für weitere Informationen zu Lindenau siehe Denzer et al. 2015 ab Seite 382

Station 1: Zeppelinbrücke zur Kartenansicht >>

Über die 1913/ 14 erbaute Zeppelinbrücke überquert man vom Leipziger Stadtzentrum kommend das zwischen 1913 und 1925 angelegte Elsterbecken und gelangt nach Lindenau. Am westlichen Ufer des Elsterbeckens befindet sich der Richard-Wagner-Hain. Hier sollte in den 1930er Jahren ein Denkmal für den Komponisten inmitten eines Parks entstehen. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Arbeiten eingestellt, das bereits fertige Denkmal nicht mehr aufgestellt. Die Parkanlage, die in den 1950er Jahren weitgehend beseitigt worden war, ist inzwischen wieder hergestellt.

Palmengarten: Gesellschafts- und Palmenhaus, Ansichtskarte um 1907

Palmengarten: Gesellschafts- und Palmenhaus, Ansichtskarte um 1907 (IfL: PKL-Park011)

Kuhturm, Ansichtskarte um 1900

Kuhturm, Ansichtskarte um 1900 (IfL: PKL-Lind009)

Nach Süden schließt sich der Palmengarten an. Dieser Park geht auf eine Internationale Gartenbauausstellung 1893 zurück. Nach der Ausstellung wurde eine Aktiengesellschaft gegründet, die auf dem Gelände einen Vergnügungspark schaffen sollte. Am 29. April 1899 fand die feierliche Eröffnung des insgesamt 22 ha großen Palmengartens statt. Die Hauptattraktion bildete ein prächtiges Gesellschaftshaus mit Konzert-, Fest- und Speisesälen, umgeben von einer Festwiese. Durch eine große Glaswand getrennt, schloss sich südlich an den großen Festsaal das dem Garten seinen Namen gebende Palmenhaus an, das von einem 18 m hohen Glasdach überwölbt wurde. Der Gebäudekomplex wurde am 10. Januar 1939 gesprengt, um Platz für die 1940 geplante, aber nicht realisierte Gutenberg-Ausstellung zu gewinnen. Ebenfalls gesprengt wurde der Kuhturm an der Frankfurter Straße (Jahnallee), der dem Palmengarten als Gaststätte gedient hatte.

Revuetheater

Revuetheater (Foto: Francis Harvey, 2015)

Nördlich der Jahnallee befindet sich das Gelände am Cottaweg, auf dem seit 1936 die Kleinmessen stattfinden. An der Ecke zur Capastraße (Jahnallee 52) befindet sich seit 2009 ein Revuetheater in einer ehemaligen Gastankstelle aus dem Jahr 1944. Auf dem Grundstück daneben strahlt eine 1880/ 81 von Bruno Leopold Grimm erbaute Fabrikantenvilla (Jahnallee 54) seit der Sanierung 2009 in altem Glanz. Der Straßenbahnhof Angerbrücke wurde 1925 als damals größter Straßenbahnhof in Leipzig eröffnet.

Straßenbahnhof Angerbrücke

Straßenbahnhof Angerbrücke (Foto: Francis Harvey, 2015)

Station 2: Capa-Haus zur Kartenansicht >>

Erst durch den geplanten Abriss gelangte das Haus Jahnallee 61 am Beginn der Luppenstraße zu internationaler Berühmtheit: Der amerikanische Kriegsreporter Robert Capa hatte hier am 14. April 1945 seine berühmte Fotoserie „Der letzte Tote des Krieges“ aufgenommen. Nach heftigen Protesten aus der Bevölkerung gegen den Abriss hat sich ein Investor gefunden, der das Capa-Haus und zwei benachbarte Häuser an der Luppenstraße 2014/ 15 denkmalgerecht saniert („Palmengartenpalais“).

Station 3: Luppenstraße: Aus Fabriken werden Wohnungen zur Kartenansicht >>

Ehemalige Fabrik für Krügerol-Halsbonbons

Ehemalige Fabrik für Krügerol-Halsbonbons (Foto: Francis Harvey, 2015)

In der Luppenstraße gilt die Aufmerksamkeit zwei ehemaligen Fabriken, die in den letzten Jahren zu Wohnungen umgebaut wurden. 1876 gründete Richard Krüger in der Luppenstraße 24 eine Fabrik, um nach eigener Rezeptur Halsbonbons herzustellen. Bis 1990 wurden hier die beliebten „Krügerol“ produziert, 2008 entstanden im Werksbau Lofts.

Fassade der ehemaligen Lederwarenfabrik Moritz Mädler

Fassade der ehemaligen Lederwarenfabrik Moritz Mädler (Foto: Francis Harvey, 2015)

Pavillon Moritz Mädler: Koffer-Fabrik. Sächsisch-Thüringische Industrie und Gewerbeausstellung, Leipzig 1897, Ansichtskarte um 1897

Pavillon Moritz Mädler: Koffer-Fabrik. Sächsisch-Thüringische Industrie und Gewerbeausstellung, Leipzig 1897, Ansichtskarte um 1897 (IfL: PKL-Ausst083)

Ehemalige Lederwarenfabrik Moritz Mädler

Ehemalige Lederwarenfabrik Moritz Mädler (Foto: Francis Harvey, 2015)

Auf der anderen Straßenseite, zur Zschocherschen Straße hin, existierte eine ebenfalls berühmte Fabrik: Moritz Mädler hatte 1850 in Wurzen eine Lederwarenfabrik gegründet. Seine beiden Söhne Paul und Anton verlagerten den Betrieb 1886 nach Lindenau in die Luppenstr. 1, wo mit über 300 Arbeitskräften Koffer und Taschen hergestellt wurden. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde Anton Mädler durch den Bau eines Messehauses mit mondäner Passage über Auerbachs Keller (1912–1914). Das Fabrikgebäude in der Luppenstraße diente in den 1990er Jahren wissenschaftlichen Instituten, der Umbau zu Wohnungen erfolgte 2012.

Gasthofbrücke

Gasthofbrücke (Foto: Francis Harvey, 2015)

Ehemailges Wohnhaus des Müllers mit Gedenktafel an die Völkerschlacht

Ehemailges Wohnhaus des Müllers mit Gedenktafel an die Völkerschlacht (Foto: Francis Harvey, 2015)

Über die Gasthofbrücke überquert man die Kleine Luppe. Hier befand sich seit dem Mittelalter eine Mühle, 1484 erstmals erwähnt. Sie wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört, der Neubau brannte 1920 ab. Erhalten blieb das um 1860 errichtete Wohnhaus des Müllers (Zschochersche Str. 1c).

Station 4: Musikalische Komödie „Drei Linden“ zur Kartenansicht >>

Gasthaus Drei Linden, Ansichtskarte um 1901

Gasthaus Drei Linden, Ansichtskarte um 1901 (IfL: PKL-Lind040)

Die Gasthofbrücke musste dem steigenden Verkehrsaufkommen zwischen Lindenau und Leipzig immer wieder angepasst und verbreitert werden. Sie trägt ihren Namen von dem in der heutigen Dreilindenstraße bereits 1495 erwähnten Gasthaus, das sich seit Anfang des 18. Jahrhunderts unter dem Namen „Drei Linden“ zu einem beliebten Ausflugslokal entwickelte. 1910 schloss die Gaststätte ihren Betrieb, zwei Jahre später wurde der Gebäudekomplex abgerissen.

Gasthaus Drei Linden, Ansichtskarte um 1924

Gasthaus Drei Linden, Ansichtskarte um 1924 (IfL: PKL-Lind052)

Musikalische Komödie "Drei Linden"

Musikalische Komödie “Drei Linden” (Foto: Francis Harvey, 2015)

Den Neubau, der heute noch steht, ließ der Brauereibesitzer Naumann errichten. Er erhielt einen großen Festsaal mit 1500 Sitzplätzen. Seit 1918 firmierte das Haus als Varietétheater Drei Linden, in dem vor allem Operetten geboten wurden. Nach der Zerstörung der Oper am Augustusplatz 1943 diente das Theater Drei Linden ab 1944 als Spielstätte. Nachdem der Oper am Augustusplatz ein neues Domizil entstanden war, wurde das Haus Dreilinden in „Kleines Haus“ umbenannt und fortan für Operettenaufführungen genutzt. Seit 1968 ist die Spielstätte als „Musikalische Komödie“ bekannt. Neben Operetten gehören seit den 1960er Jahren verstärkt Musicals zum Programm des Theaters.

Die großen Baulücken in der Dreilindenstraße weisen auf Abrisse hin, der freie Blick auf die Rückfassaden unsanierter Häuer an der Lützner Straße auf weiterhin bestehenden Handlungsbedarf. Schlimmer traf es die Kuhturmstraße: Hier wurden große Teile der gründerzeitlichen Bebauung nach 1998 abgerissen.

Station 5: Lindenauer Markt zur Kartenansicht >>

Lindenauer Markt und Nathanaelkirche, Ansichtskarte um 1918

Lindenauer Markt und Nathanaelkirche, Ansichtskarte um 1918 (IfL: PKL-Lind035)

Gemeinsam münden die Dreilinden- und die Kuhturmstraße auf den Lindenauer Markt. Hier befand sich der große Dorfteich. In den 1860er Jahren wurde der Teich verfüllt und der Platz konnte entstehen. Der dreieckige Lindenauer Markt entwickelte sich zu einem Zentrum Lindenaus mit zahlreichen Einrichtungen des Einzelhandels und der Kultur.

Zu DDR-Zeiten war das Quartier um den Wilhelm-Liebknecht-Platz, wie der Platz zwischen 1947 und 1991 hieß, mehr und mehr dem Verfall preisgegeben. Seit den 1970er Jahren gab es Pläne einer „sozialistischen Umgestaltung“, was einem flächenhaften Abriss gleichgekommen wäre. Nach der Wende wurden Umgestaltungspläne erarbeitet, die 1999/ 2000 umgesetzt wurden. Zu den Zielen der Revitalisierung zählten neben der Sanierung des Gebäudebestandes auch die Wiederbelebung des Einzelhandels und eine Verbesserung der Verkehrssituation.

Gründerzeithaus, Lindenauer Markt 2

Gründerzeithaus, Lindenauer Markt 2 (Foto: Francis Harvey, 2015)

Pläne zur Errichtung eines großen Einkaufszentrums zwischen Henrici- und Kuhturmstraße stießen auf heftigen Widerstand in Teilen der Bevölkerung. Bei dessen Bau seit 2012 wurden die Fassaden von zwei Gründerzeithäusern (Lindenauer Markt 2 und 4) integriert. Heute bietet sich dem Betrachter am Lindenauer Markt wieder ein beeindruckendes geschlossenes Bauensemble. Die meisten gründerzeitlichen Häuser stammen aus den beiden letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Die beiden um 1911 erbauten Gebäude Nr. 19 und 21 heben sich architektonisch ab. Im Eckhaus Nr. 21 (Theaterhaus Leipzig, früher Haus der Volkskunst) hat das 1946 gegründete Theater der Jungen Welt seit 2003 seine Spielstätte, außerdem seit 1999 das freie Leipziger Off-Theater (LOFFT).

Station 6: Westbad zur Kartenansicht >>

An der Einmündung der Marktstraße auf den Lindenauer Markt befindet sich ein Baudenkmal der Leipziger Moderne: Das Westbad. Es wurde zwischen 1928 und 1930 nach Plänen Hubert Ritters im Bauhausstil errichtet. 1990 wurde der Badebetrieb eingestellt, eine Sanierung ließ lange auf sich warten. Der Gebäudeteil an der Marktstraße mit dem Uhrturm dient seit 2003 einem Gesundheitszentrum; die Schwimmhalle wartet aber immer noch auf eine neue Nutzung.

Lindenauer Markt mit Westbad

Lindenauer Markt mit Westbad (Foto: Andreas Höhn, 2015)

An seinem nordwestlichen Ende geht der Lindenauer Markt in die Rietschelstraße über und wird von der Demmeringstraße gequert. An der Ecke der beiden Straßen fällt ein Jugendstilensemble ins Auge. Es wurde 1902–1906 von Paul Möbius errichtet (ein weiteres Haus in Altlindenau stammt von Möbius: Merseburger Str. 90).

Station 7: Stadtmission des Diakonischen Werks zur Kartenansicht >>

Zwei Grundstücke weiter (Demmeringstr. 18) hat die Stadtmission des Diakonischen Werks ihren Sitz in einem stattlichen Palais. Im Hinterhaus erinnert eine Büste an Ernst Traugott Fritzsche (1851–1916), den Eigentümer der Schimmel-Werke in Miltitz. Fritzsche hatte das Haus 1912 dem Blauen Kreuz gestiftet, einer christlichen Organisation, die sich um Suchtkranke kümmert.

Station 8: Nathanaelkirche zur Kartenansicht >>

Nathanaelkirche

Nathanaelkirche (Foto: Francis Harvey, 2015)

Die Rietschelstraße führt zur ev.-luth. Nathanaelkirche. Als die Bevölkerungszahl in Lindenau nach 1850 stark anwuchs, wurde die romanische Chorturmkirche an der Rietschelstraße (damals Am Roßmarkt) zu klein. Die Pfarrgemeinde entschied sich daher für den Abriss und den Bau eines neuen Gotteshauses. In den Jahren 1881–1884 erfolgte der Kirchenneubau mit einem 74 m hohen Turm in neogotischen Formen und mit Ziegeln als Fassadenverblendung. Aus der Erbauungszeit stammen noch viele Details wie die Ausmalungen im Inneren und die farbigen Chorfenster. Nachdem die Kirche in der DDR immer mehr verfallen war und jahrelang als Lager genutzt wurde, wird sie seit 1994 Stück für Stück saniert und dient wieder als Gotteshaus. Am Standort der alten Kirche entstand 1887/ 88 das Pfarrhaus (Rietschelstr. 10).

Nathanaelkirche: Luftaufnahme, Ansichtskarte um 1930

Nathanaelkirche: Luftaufnahme, Ansichtskarte um 1930 (IfL: PKL-Lind063)

An der Roßmarktstraße befand sich der alte Ortskern Lindenaus mit Kirche, Rittergut und erster Schule. Aus vorstädtischer Zeit hat sich allerdings keine Bausubstanz erhalten. In den letzten Jahren entstanden auf Brachflächen Stadthäuser, und es wurden Grünflächen und Spielplätze angelegt („Lindenauer Anger“). Westlich der William-Zipperer-Straße bildet die Apostelstraße die Fortsetzung der Roßmarktstraße. Der Straßenname rührt von den ursprünglich zwölf Gesindehäusern des Ritterguts aus dem 18. Jahrhundert, die sich hier befanden. Eines der Häuser aus der Zeit um 1740 ist erhalten (Nr. 20) und inzwischen saniert.

Die Apostelstraße mündet in die Merseburger Straße, eine der Hauptverkehrsstraßen im Leipziger Westen mit entsprechender Verkehrsbelastung. Im Lindenauer Abschnitt der Straße herrscht gründerzeitliche Bebauung mit Mietshäusern vor, im Norden schließen sich eine Kleingartenanlage und der in den 1860er Jahren angelegte Friedhof an.

Station 9: Kaufhaus Gebrüder Held zur Kartenansicht >>

Ehemaliges Kaufhaus

Ehemaliges Kaufhaus (Foto: Francis Harvey, 2015)

Wie immer bei gründerzeitlichen Straßenzügen sind die Eckbebauungen architektonisch hervorgehoben. An den Ecken zur Demmeringstraße und zur Lützner Straße befinden sich Kaufhausgebäude. Im ehemaligen Kaufhaus Gebrüder Held, 1906 an der Ecke Demmeringstraße erbaut und bis 1995 als Kaufhaus genutzt, entstand ein Künstlerhaus. Gegenüber nutzt heute ein Fitness-Studio die ehemalige Produktionshalle einer Süßwarenfabrik (Schokoladenwerke Schwarze & Röder, später Salzstangenfabrik).

Station 10: Henriettenpark zur Kartenansicht >>

Südlich der Lützner Straße ändert sich das Siedlungsbild. An die Stelle der reinen Wohnbebauung tritt eine Mischnutzung aus Wohnhäusern und Gewerbebauten bzw. industriellen Brachflächen. Auf einer solchen Industriebrache zwischen Lützner Straße und Endersstraße entstand zwischen 1998 und 2005 der 1,7 ha große Henriettenpark.

Henriettenpark

Henriettenpark (Foto: Francis Harvey, 2015)

Henriettenpark

Henriettenpark (Foto: Francis Harvey, 2015)

Hier hatte Karl Heine die Verladestation III seines Industriegleisnetzes angelegt. Auf beiden Seiten der Gleise siedelten sich Industriebetriebe an, darunter die Gummiwarenfabrik „Vulkan“, Weiß & Baeßler (später VEB Vulkan Gummiwerk Leipzig, Endersstr. 26–32), die Maschinenfabrik Müller & Montag (später VEB Leipziger Fräsmaschinen, Lützner Str. 93–99) und das Tapetenwerk Langhammer und Söhne (Lützner Str. 91). Die denkmalgeschützten Industriebauten wurden zum Teil neuen Nutzungen zugeführt. In der Maschinenfabrik hat ein Weiterbildungsinstitut seinen Sitz genommen, im Tapetenwerk, in dem noch bis 2006 produziert wurde, ist ein Zentrum der Kreativwirtschaft entstanden.

Ebenfalls an der Endersstraße (Nr. 31) befindet sich zwischen Wohnhäusern ein kleiner turmloser Kirchenbau der kath.-apostol. Gemeinde. Das neuromanische Gebäude wurde 1899/ 1900 von Julius Zeißig (1855–1930) errichtet.

Station 11: Helmholtzschule und Philippuskirche zur Kartenansicht >>

Helmholtzschule

Helmholtzschule (Foto: Francis Harvey, 2015)

Von der Endersstraße zweigt die Helmholtzstraße ab, die im Laufe ihrer Geschichte mehrere Namen führte: Bismarckstraße, 1905 Kanzlerstraße, 1966 Rudkowskystraße, seit 1991 ihren jetzigen Namen. An der Straße befindet sich die Helmholtzschule, ein stattliches Gebäude aus den Jahren 1900/ 01.

St. Philippus-Kirche und Schule, Ansichtskarte um 1915

St. Philippus-Kirche und Schule, Ansichtskarte um 1915 (IfL: PKL-Lind016)

Gleich daneben steht die zwischen 1907 und 1910 erbaute Philippuskirche. Sie entstand nach der Teilung der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde 1906 als zweite Pfarrkirche für Neulindenau (neben der Nathanaelkriche). Schule und Kirche liegen unmittelbar am Karl-Heine-Kanal. Im Kanalbogen warten große Brachen noch auf eine neue Nutzung; hier, an der Gemarkungsgrenze zu Plagwitz, begann einst mit der Gießerei Meier & Weichelt die Industrialisierung Lindenaus.

Empfohlene Zitierweise

Heinz Peter Brogiato: “Lindenau – ein Leipziger Industrieviertel” in Landschaften in Deutschland Online.
URL: http://landschaften-in-deutschland.de/exkursionen/78_E_505-altlindenau/, Stand 01.06.2015

Quellen und weiterführende Literatur

  • Vorschaubild: Lindenauer Markt und Nathanaelkirche, Ansichtskarte um 1918. IfL: PKL-Lind035

  • Titelbild: © Mapbox © OpenStreetMap, Bearbeitung: Vera Schreiner (IfL)

  • Brogiato, Heinz Peter (2009): Leipzig um 1900. Zweiter Band. Die Stadtteile in kolorierten Ansichtskarten aus dem Archiv des Leibniz-Instituts für Länderkunde Leipzig e.V. – Leipzig.

  • Denzer, Vera; Dix, Andreas; Porada, Haik Thomas (Hrsg.) (2015): Leipzig: Eine landeskundliche Bestandsaufnahme. Landschaften in Deutschland, Bd. 78. – Köln.

  • Grubitzsch, Falko (1999): Was wird aus dem Westbad? Gedanken zur Baugeschichte und den Perspektiven eines wertvollen Kulturdenkmals, in: Leipziger Blätter, Nr. 34, S. 40–42.

  • Hädicke, Hans-Joachim (2000): Von der Viehweide zum Landschaftsgarten. Die Geschichte des Palmengartens beginnt mit der Internationalen Jubiläumsgartenbauausstellung 1893, in: Leipziger Blätter, Nr. 37, S. 40–43.

  • Krieg, Stefan W. u. Bodo Pientka (2007): Paul Möbius. Jugendstil in Leipzig. – München.

  • Mewes, Petra u. Peter Benecken (2013): Leipzigs Grün. Ein Park- und Gartenführer. – Leipzig.

  • Schlennstedt, Petra u. Thomas Nabert (2008): Alt-Lindenau. Eine historische und städtebauliche Studie (hg. von Pro Leipzig e. V.), überarb. Aufl. – Leipzig.

  • Weil, Bettina (2013): Leipziger Brücken V: Brücken über Kleine Luppe, Nahle, Neue Luppe, Alte Luppe, Rote Luppe, Namenlose Luppe und Heuwegluppe. – Leipzig.